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19.03.2018 11:59 Alter: 119 days

Das Navi der Klinik

Mangelnde abteilungs- und berufsgruppenübergreifende Kommunikation erschwert den Behandlungsprozess in den Kliniken. Der Controller muss als interdisziplinärer Moderator diese Schnittstellen aktiv und zielgerichtet koordinieren.


Infolge der G-DRG-Einführung im Jahr 2003 und unter dem Eindruck des gestiegenen ökonomischen Drucks sowie des Wettbewerbs um die Patienten haben die deutschen Krankenhäuser den Fokus auf Effizienz und Qualität gelenkt. Das Lösungswort für wirtschaftliches Handeln lautet Prozessoptimierung. Viele Rahmenbedingungen in den Häusern – abteilungsbezogenes Denken und hierarchische Strukturen – erschweren jedoch einen optimalen Prozessdurchlauf der Patienten.

Viele Krankenhäuser haben die Verweildauer immer wieder drastisch gesenkt. Der Weg zu effektiven und effizienten Abläufen beinhaltet aber auch die Prozesse im OP, in der Radiologie und in den anderen Leistungsstellen sowie alle sekundären Prozesse in einem Krankenhaus. Dabei gibt es Schnittstellenprobleme, zahlreiche noch immer nicht abgestimmte Abläufe, die den Alltag bestimmen. Abhilfe schaffen moderne IT-Konzepte: Im Klinikbetrieb werden im Interesse von Qualität und Effizienz alle medizinischen, logistischen und administrativen Prozesse mithilfe von Informationstechnologien dokumentiert, gelenkt und kontrolliert. Dank des verbreiteten Einsatzes von IT-Modulen innerhalb der Krankenhausinformationssysteme – zum Beispiel digitale Ressourcenplanung für die Funktionsbereiche, digitale Beauftragung der Leistungsstellen, digitale Patientenakte – ist bereits heute ein guter Standard erreicht.

Eine der größten Hürden ist jedoch die abteilungs- und berufsgruppenübergreifende Kommunikation zwischen Medizin, Pflege und Verwaltung. Die Förderung einer offenen Kommunikation und eines durchgängigen Informationsflusses sind daher genauso wichtig, wie die patientenorientierte Abstimmung von Arbeitsabläufen zwischen den Berufsgruppen sowie den einzelnen Fachabteilungen, Funktionsbereichen und Zentralbereichen. Um der Bildung von Insellösungen des Arzt- und Pflegedienstes, der Abgrenzung einzelner Bereiche sowie Schnittstellenproblemen entgegenzuwirken, sind ein hoher Abstimmungs-, Koordinations- und Kommunikationsaufwand notwendig. Das sich hieraus ergebende Spannungsfeld erfordert eine Orientierung an den Prinzipien der Prozessorganisation und muss durch entsprechende Maßnahmen unterstützt werden. Das Controlling greift aufgrund der heutigen Aufgabenstellung ohnehin auf alle Bereiche des modernen Klinikalltags zu, versteht sich als interdisziplinärer Navigator und Moderator an den Schnittstellen und kann durch die Bereitstellung der Informationen aktiv und zielgerichtet die Prozessoptimierung unterstützen.

Die Autorin,Cornelia Müller-Wenzel, ist DVKC-Vorstandsmitglied und Leiterin Unternehmensentwicklung und Controlling bei der KIT Services GmbH – Knappschaft Bahn See. Der Text ist erschienen in f&w 03/2018