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05.07.2018 11:04 Alter: 12 days

Neue Krankenhauscontrolling-Studie vom DVKC, der Universität Wuppertal und zeb:

Digitalisierung im Krankenhauscontrolling stagniert


Münster/Berlin, 05. Juli 2018 – Der Deutsche Verein für Krankenhaus-Controlling (DVKC e. V.), der Lehrstuhl für Controlling der Bergischen Universität Wuppertal sowie die Managementberatung zeb haben am Donnerstag in Berlin die aktuellen Ergebnisse ihrer gemeinsamen Studie zum Controlling in deutschen Krankenhäusern und Psychiatrien vorgestellt. Insgesamt belegt die Studie den nach wie vor hohen Stand des Controllings in deutschen Kliniken. Sie zeigt aber auch auf, dass der Einsatz digitalisierter Controllinglösungen, wie die Unterstützung des Berichtswesens durch moderne Data-Warehouse-Lösungen, inzwischen im zweiten Jahr stagniert.

Dr. Christian Heitmann, Mitautor der Studie, erläutert: „Deutsche Kliniken haben über Jahre große Anstrengungen unternommen und die Digitalisierung ihres Controllings gezielt vorangetrieben. Diese Entwicklung stockt jetzt bereits im zweiten Jahr. Offensichtlich sehen die Krankenhäuser aktuell weniger Bedarf, ihr internes Controlling zu modernisieren. Aus unserer Sicht dürfte sich dieser Zwischentrend umkehren, wenn der Gesetzgeber seine gesundheitspolitischen Vorgaben konkretisiert und damit der Handlungsdruck auf die Kliniken weiter steigt.“

 

Trend zur Schaffung neuer Stellen im Controlling

Im Gegensatz zu den vorherigen Erhebungen beinhaltet die aktuelle Studie eine detaillierte Analyse der Personalausstattung im Krankenhauscontrolling. Dabei zeigt sich ein Trend zur Schaffung neuer Stellen im Controlling, insbesondere bei Kodierfachkräften und im MDK-Management, aber auch im Leistungscontrolling sowie im betriebswirtschaftlichen Controlling. Die Gründe hierfür liegen nach Ansicht der Studienautoren vor allem in einer weiteren Optimierung des Erlös- und Leistungsmanagements und in der steigenden Arbeitsbelastung durch die Anfragen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK).

Prof. Dr. Nils Crasselt, Mitautor der Studie, führt aus: „Der Personalaufbau im Controlling ist seit einigen Jahren zu beobachten. Unsere Studie zeigt, in welchen Bereichen des Controllings derzeit besonders Bedarf an Spezialisten besteht. Die Krankenhäuser reagieren damit in erster Linie auf die veränderten Rahmenbedingungen im Austausch mit ihren Kostenträgern. Transparenz und die Einhaltung strikter Qualitätskriterien bei der Kodierung sind unerlässlich, wenn die Häuser nicht auf Teile ihrer Einnahmen verzichten wollen. Das haben viele Kliniken leidvoll erfahren müssen.“

Personalcontrolling sehr unterschiedlich organisiert

Das Personal ist die wichtigste Ressource im Rahmen des Versorgungsauftrags der Krankenhäuser und macht den größten Anteil der Kosten im Krankenhaus aus. Daher hat sich die aktuelle Studie schwerpunktmäßig mit der Steuerung dieser Ressource beschäftigt. Hier zeigt sich, dass ebenjene Funktion in den Häusern sehr unterschiedlich organisiert und vor allen Dingen von verschiedenen Abteilungen wahrgenommen wird. Auch ist das Personalberichtswesen optimierungsbedürftig. Die berichteten Kennzahlen lassen insbesondere die Prozesssicht vermissen. In Bezug auf die anstehenden Pflegepersonaluntergrenzen wird sich das Berichtswesen nach Ansicht der Studienautoren daher deutlich weiterentwickeln müssen.

 

Psychiatrien haben Optionsphase im neuen Entgeltsystem nicht umfassend genutzt

Wie in den letzten Jahren hat auch die aktuelle Krankenhauscontrolling-Studie einen besonderen Fokus auf das neue Psychiatrieentgeltsystem gelegt. Es zeigte sich, dass im Jahr 2017 so gut wie keine Klinik mehr von der Optionsphase Gebrauch gemacht hat. Damit wurde die Optionsphase fast von der Hälfte aller entsprechenden Fachkliniken in Deutschland nicht genutzt. Nach Ansicht der Studienautoren ist dies ein viel zu hoher Anteil für ein Verfahren, das vom Gesetzgeber aus gutem Grund als lernendes System konzipiert wurde.

Prof. Dr. Björn Maier, Mitautor der Studie, erklärt: „Nach wie vor ist die Akzeptanz für das neue Entgeltsystem eher verhalten. Im Vordergrund stehen häufig finanzielle Befürchtungen. In der Befragung zeigte sich mehr als ein Drittel der Psychiatrien besorgt darüber, dass sich das neue Entgeltsystem voraussichtlich negativ auf ihre Liquidität auswirken wird. Als positive Aspekte erwarten die Psychiatrien hingegen eine höhere Transparenz und Prozessverbesserungen, die das neue System mit sich bringen wird.“

Zur Studie

Die Krankenhauscontrolling-Studie zum aktuellen Stand und zu Entwicklungstendenzen des Controllings im deutschen Krankenhaussektor wird seit dem Jahr 2011 durch den DVKC, die Universität Wuppertal und die Managementberatung zeb erhoben. Die Studie zählt zu den umfangreichsten Untersuchungen ihrer Art und ist in Bezug auf Umfang, Struktur und Aufbau der Datenreihe einzigartig. Die von den verantwortlichen Forschern Prof. Dr. Nils Crasselt, Dr. Christian Heitmann und Prof. Dr. Björn Maier verfolgten Untersuchungsziele sind sowohl für Praktiker in den Krankenhäusern und Psychiatrien als auch für Wissenschaftler und Strategen in der Gesundheitswirtschaft von großem Interesse.

 

Zu den Autoren der Studie

Prof. Dr. Nils Crasselt

Nils Crasselt, Jahrgang 1973, studierte Betriebswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Nach dem Abschluss zum Diplom-Kaufmann war er von 1997 bis 2008 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Internationale Unternehmensrechnung (Prof. Dr. Bernhard Pellens) der Ruhr-Universität Bochum tätig. 2002 promovierte er mit einer Arbeit zum Thema „Wertorientierte Managemententlohnung, Unternehmensrechnung und Investitionssteuerung“. Sein kumulatives, aus sieben Einzelschriften bestehendes Habilitationsprojekt schloss er 2008 ab. Seit dem Wintersemester 2008/09 ist er Inhaber des Lehrstuhls für Controlling an der Schumpeter School of Business and Economics der Bergischen Universität Wuppertal. Zu den Schwerpunkten seiner aktuellen Forschungsaktivitäten zählt u. a. das Controlling im Krankenhaussektor.

 

Dr. Christian Heitmann

Christian Heitmann, Jahrgang 1971, studierte Wirtschaftsinformatik an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Nach dem Abschluss zum Diplom-Wirtschaftsinformatiker war er von 1998 bis 2002 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Revisionswesen (Prof. Dr. Dr. h. c. Jörg Baetge) der Universität Münster tätig. 2001 promovierte er im Rahmen eines DFG-Forschungsprojekts. 2002 begann er seine Tätigkeit bei der Managementberatung zeb. Seit 2009 leitet er den Bereich Health Care und verantwortet als Partner die gesamten Aktivitäten des zeb in dieser Branche. Schwerpunktthemen bilden hierbei die Entwicklung und Umsetzung von Fusionen, Sanierung von Krankenhäusern sowie Optimierung der Prozesse, Entwicklung und Umsetzung von Digitalstrategien, Finanzierungsstrukturierung großer Investitionsvorhaben sowie Konzeption und Umsetzung moderner Ansätze zur Krankenhaus(konzern)steuerung inkl. Berichtswesen und Controlling.

Prof. Dr. Björn Maier

Björn Maier, Jahrgang 1973, studierte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim, im Besonderen öffentliche BWL und Krankenhausmanagement. Nach dem Abschluss zum Diplom-Kaufmann war er von 1999 bis 2001 als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Allgemeine BWL, vor allem Operations Research, an der Universität zu Köln (Prof. Dr. Dr. Günter Beuermann) tätig und promovierte 2001 in einem DFG-Sonderforschungsbereich. Von 2004 bis 2008 begleitete er im Rahmen einer Forschungsstelle an der Justus-Liebig-Universität Gießen das Benchmarking der gesetzlichen Unfallversicherungsträger (DGUV). Seit 2008 ist er Studiendekan an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mannheim im Bereich Gesundheitswirtschaft. Er ist Vorstandsvorsitzender des Deutschen Vereins für Krankenhaus-Controlling e. V. (DVKC).